Deutlich zu erkennen: Die Sektorierung einer DVD-RAM, welche sie schon mit bloßem Auge von einer anderen DVD unterscheiden lässt. Die Sektorierung dient der Datensicherheit.

Dieser Artikel soll die technischen Möglichkeiten einer Langzeitspeicherung von Daten betrachten, und für den Nicht-Fachmann verständlich auf Problematiken und Fallen eingehen.


Arten der Datenspeicherung

Festplatte: Auf einer Festplatte werden die Daten magnetisch auf einer beschichteten Metallplatte gespeichert. Sie könnten Ihre Buchhaltungsdaten auf einer externen Festplatte speichern. Jedoch wenn Sie sie 10 Jahre lang weglegen, und an diesem Ort ein schwaches wechselndes Magnetfeld ist (Lautsprecher, Wechselstromleitung), dann kann es sein, dass die Daten nach 10 Jahren nicht mehr zu lesen sind. Außerdem ist zu beachten, dass bei einem Defekt der Elektronik die Daten nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch ist es möglich, dass in 10 Jahren die Rechner heutige Festplatten nicht mehr ansteuern oder „verstehen“ können, weil sich die Schnittstellen verändert haben. Es gibt keine Garantie, dass die Daten ohne Nutzung 10 Jahre lang halten.

Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Festplatte#Langzeitarchivierung

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Harddisk-head.jpg


USB-Speicherstick: Die Speichersticks basieren auf Speicherbausteinen, die so genannten Flash-Speicher, welche auch ohne Stromversorgung die Daten ca. 5 Jahre lang halten. Das ist aber leider für ein Buchhaltungs-Archiv zu wenig. Zwar geben einige Hersteller an, dass die Daten 10 Jahre lang halten sollen, aber diese Angabe dürfte genau so zuverlässig sein, wie die Herstellerangaben über den Verbrauch von Autos.

Link: USB-Stick - Wikipedia

Bildquelle: Bild:Handy-Steno 2.jpg - Wikipedia


CD-R, DVD±R: Als die CD erfunden wurde, sprachen die Hersteller von einer Datenhaltbarkeit von mindestens 100 Jahren. Inzwischen weiß man, dass das nicht stimmt. Aufgrund chemischer Alterungsprozesse in der CD halten die Daten gekaufter CDs (Musik-CDs) nicht länger als 20 Jahre. Wer sich in den ersten Jahren Musik-CDs gekauft hat, bekommt jetzt allmählich Probleme mit diesen.

Links:

heise online - Deutsches Musikarchiv: CD-Zerfall bedroht Kulturerbe

Deutschlandfunk: Forschung Aktuell – Verfallsdatum unklar


Erheblich schlechter sieht es mit CD-R aus. Diese sind für eine Datenarchivierung nicht zu empfehlen.

CDs und DVDs schreiben die Daten mit Hilfe eines Lasers auf eine Polycarbonatscheibe, auf den eine Reflektionsschicht aufgetragen, die wiederum mit einem so genannten Dye-Layer (Farbstoff-Lage) abgedeckt wurde. Zum Schreiben wird die Intensität des Lasers erhöht und die Daten in den Farbstoff-Lage gebrannt. Durch weggebrannt oder nicht weggebrannt entstehen die Daten.

Die CD ist ursprünglich für Musik konzipiert worden. Wenn bei Musik ein paar Bytes kaputtgehen, so ist das nicht so schlimm, da die Musik als einzelne Punkte einer Tonkurve auf der CD gespeichert ist. Gehen ein paar Werte davon kaputt, so kann man die fehlenden Werte interpolieren. Wenn das auch nicht mehr geht, dann hört man ein Knacken. Mehr nicht. Aber wenn sich bei Ihren Buchhaltungsdaten eine Zahl ändert, z.B. sich das Komma um eine Stelle verschiebt, dan ist es eine Katastrophe. CDs verfügen über kein Defektmanagement, welches fehlerhafte Datenblöcke erkennen und korrigieren könnte.

Das Gleiche gilt auch für alle Arten von DVDs außer DVD-RAM. Die DVD-RAM ist von den optischen CD-ähnlichen Medien das einzige Medium, was über ein Defektmanagement verfügt und von Anfang an für die Datenarchivierung konzipiert wurde. Sie erschien sogar vor den normalen DVDs. Die DVD-RAM ist zurzeit das einzige Medium, dem man halbwegs die Daten anvertrauen kann. Man erkennt sie deutlich an der Sektorierung (siehe Titelbild).


MO oder MOD: Bisher galt die Magneto Optical Disc (kurz MO oder MOD) als revisionssicheres Archiv-Medium. Sie ist das einzige Speichermedium, was eine Datensicherheit von echten 16 Jahren unter Beweis gestellt hat. Ich habe hier noch 128 MByte MODs aus dem Jahr 1991. Alle Daten sind noch zu 100 % lesbar. Auf keinem anderen Medium sind
 

die Daten so sicher wie auf einer MOD. Doch leider wird die MOD eingestellt. Ab nächstes Jahr werden keine Laufwerke mehr verkauft. Der Nachfolger ist UDO, dieses Medium muss aber erst seine Datensicherheit noch beweisen. Zumindest wurde es für Langzeitarchivierung konzipiert.

Links: Absturz eines Hoffnungsträgers: Specials

speicherguide.de - Schwerpunkt: Optical-Storage - Backgrounder: Ultra-Density-Optical (UDO)

Doch warum ist die MO so datensicher? Was unterscheidet eine MO von einer CD oder DVD? Es ist nur ein kleines, aber sehr wichtiges Detail: Während bei der CD-R und DVD±R Löcher in eine Farbschicht gebrannt werden, wird bei einer MO eine Metallschicht auf eine bestimmte Temperatur erwärmt und und dann mit einem Elektromagneten magnetisch ausgerichtet. Diese Ausrichtung der Magnetpartikel ist nur oberhalb der so genannten Curie-Temperatur möglich. Das hat zur Folge, dass MODs (anders als CDs, DVDs und Festplatten) vollkommen unempfindlich gegen Licht und Magnetfelder, sowie temperaturunempfindlich bis ca. 100° C sind. Außerdem sind sie immer mit einer Cartridge vor physischen Beschädigungen geschützt.


Fazit

Für den Datenaustausch eignen sich fast alle Datenträger, die zurzeit auf dem Markt sind. Für eine Langzeitarchivierung von Daten jedoch gibt es kaum Möglichkeiten auf dem heutigen Markt. Einzig allein die MO, der Nachfolger UDO und die DVD-RAM kommen von der Datensicherheit infrage, wobei DVD-RAM schon sehr knapp ist, MO eingestellt und UDO relativ neu ist.

Unter dem Gesichtspunkt, dass die Daten auch in 10 Jahren noch sicher gelesen werden können müssen – und das setzt auch voraus, dass die Laufwerke noch erhältlich sein müssen, schränkt die Auswahl auf genau 2 Arten von Laufwerken ein:

  1. AufzählungszeichenDie DVD-RAM, die billig ist und mit fast allen aktuellen DVD-Rekordern gelesen und geschrieben werden und mit nahezu allen DVD-Laufwerken gelesen werden können, aber eine nicht so hohe Datensicherheit hat.

  2. Erstellt auf einem MacDie UDO-Disk, welche wahrscheinlich über eine enorme Datensicherheit verfügt, aber in der Anschaffung (noch) recht teuer ist.

Verwenden Sie CDs, dann verwenden Sie bitte immer(!) die goldfarbenen CDs. Bei diesen ist die Datensicherheit am höchsten. Außerdem ist es dringend empfohlen mindestens alle 3 Jahre die Datenintegrität zu prüfen und/oder sie auf neue Medien umzubrennen. Ein Brennen in langsamster Geschwindigkeit erhöht zusätzlich die Datensicherheit.

Nehmen Sie keine DVDs. Hier ist die Gefahr eines Datenverlustes einfach zu hoch. Das Computermagazin c’t schrieb mal, dass es DVD-Rohlinge gibt, die die Daten schon nach wenigen Monaten (!) verlieren.
(Leider weiß ich nicht mehr genau, wo das stand. Wenn einer der Leser hier etwas genaueres weis, bitte kurze Info an mich.)

In einem Artikel über DVD-Rohlinge, c’t Heft 14/2005 Seite 99 (rechts oben) schreibt die c’t zu geklauten Kennungen: „So bergen diese Plagiate das unkalkulierbare Risiko von Datenverlusten.“ Dabei handelt es sich um Kennungen auf den Rohlingen, welche vom Recorder ausgelesen werden um das Brennverhalten darauf abzustimmen. Stimmt die Kennung nicht mit dem Rohling überein, dann ist Datenverlust wahrscheinlich. Leider kommt dieser Kennungsklau zu häufig vor und kann vom Endkunden fast nicht geprüft werden.
Daher: Finger weg von DVD-Rohlingen für die Datenarchivierung!

Wer seine Archiv-CDs (und DVDs) von Zeit zu Zeit überprüfen möchte, kann das kostenlose Nero CD-DVD Speed (leider nur für Windows) verwenden. Das Handbuch dazu muss man extra laden. Wer ein vergleichbares Programm für Mac oder Linux kennt, möge mich bitte kontaktieren.

Links:

Deutschlandfunk: Forschung Aktuell – Verfallsdatum unklar

Archivalia: Haltbarkeit von CDs und DVDs

CD / DVD / USB-Stick Langzeitarchivierung

heise online: US-Forscher kämpfen gegen digitale Vergesslichkeit



Dieser Artikel enthält sicher nicht alle Aspekte zur digitalen Datenarchivierung. Er soll hauptsächlich sensibilisieren und ein paar nützliche Grundlagen und Perspektiven vermitteln.

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Gerhard A. E. Uhlhorn


Text: © Gerhard A. E. Uhlhorn, Olenland 96, 22415 Hamburg, Germany