Stundensatz

 

Artikel aktualisiert am 01.05.2008

Allgemeines vorweg

In diesem Artikel möchte ich Ihnen meine Preise darlegen und erklären wie sie sich zusammensetzen. Ich beobachte seit einiger Zeit, wie Menschen, die sich selbständig gemacht haben, gnadenlos über den Tisch gezogen werden, indem man ihnen fast den gleichen Satz zahlt, den ein Angestellter erhält. Leider ist den meisten dieser Selbständigen nicht klar, dass man sie beschuppst. Nach kurzer Zeit – je nach vorhandenem Erspartem – müssen sie dann Insolvenz anmelden. Um solche Konsequenzen zu vermeiden möchte ich hier für etwas Aufklärung sorgen.

  1. „Ein Berufseinsteiger wird gut 4000 DM brutto auf seinem Konto verbuchen können.“ Süddeutsche Zeitung 2001


Rechnen wir mal vereinfacht 2000 Euro heute – Inflation weggelassen, dafür den Euro mit Faktor 2 umgerechnet – für einen Berufsanfänger, dann ist es für einen Angestellten Mediengestalter ein Stundensatz von 12,31 EUR brutto. Wohlgemerkt: Das ist der Satz für einen Berufsanfänger!

Ein freier Mitarbeiter müsste dann – bei Beschäftigung ohne Ausfall(!) – 23,44 EUR pro Stunde plus MwSt. in Rechnung stellen.

Um zu ermitteln wie der Stundensatz sich ändert, wenn Sie von einem Angestelltenverhältnis zu einem freien Mitarbeiter wechseln, müssen Sie die Jahreslohnkosten die der Arbeitgeber aufbringen muss durch Anzahl der Jahresstunden teilen, die ein Arbeitnehmer im Durchschnitt zur Verfügung steht. Zu den Lohnkosten gehören der Jahresbruttolohn und der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungen, soweit in Ihrem Beruf üblich gehören weiter dazu das Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, 13. Gehalt usw. Alle diese Kosten rechnen Sie für ein Jahr zusammen.

Bei den Jahresarbeitsstunden rechnen Sie genau so. Multiplizieren Sie 52 Wochen mit Ihrer durchschnittlichen Wochenstundenzahl, ziehen Sie davon die Urlaubstage, Feiertage und den durchschnittlichen Krankenstand ab.

Um den Stundensatz eines freien Mitarbeiters als Äquivalent zu dem Stundensatz eines Angestellten Mitarbeiters zu ermitteln, müssen sie nun nur noch die Jahreslohnkosten durch die tatsächlich anwesenden Jahresarbeitsstunden teilen. Weitere Details finden Sie auch in meinem Artikel „Was verdient ein freiberuflicher Mitarbeiter wirklich?“.

Übrigens: Die offiziellen Lohnnebenkosten betrugen im Jahr 2002 47,5 % der Lohnkosten* und decken sich sehr genau mit diesen Betrachtungen. D.h. 52,5 % von den Lohnkosten bekommt der Angestellte pro anwesende Stunde als Brutto gezahlt. Als Faustformel kann man also sagen, dass ein freier Mitarbeiter das 1,9-fache von dem Bruttostundenlohn seines angestellten Kollegen in Rechnung stellen muss um die gleiche Bezahlung zu bekommen, oder dass 47,5 % vom Stundensatz des freien Mitarbeiters dessen Butto ist.

  1. *Quelle: Statistisches Bundesamt


Selbständigkeit

Arbeitet ein Mediengestalter selbständig für eine Firma – also nicht als freier Mitarbeiter, dann muss er das Unternehmerrisiko einer partiellen Arbeitslosigkeit selbst tragen. Das bedeutet, dass er bei seiner Kalkulation des Stundensatzes generell einen Risikoanteil einrechnen muss. Ausserdem muss er die Miete für die Räume, in denen er arbeitet, die Software-Lizenzen, die Rechner und Zubehör auch mit umlegen.


Meine Kalkulation

Ich bin schon seit 18 Jahren(!) Mediengestalter (siehe Lebenslauf), also seit einer Zeit, als es diesen Beruf offiziell noch gar nicht gab. Ich habe schon 1990 Anzeigen mit Bildern (auch in Farbe) komplett digital auf dem Rechner erstellt. Nun denke ich, dass für 16 Jahre Berufserfahrung und den sehr umfangreichen Kenntnissen ein Aufschlag von mindestens 60 % angemessen sind, oder? Das wäre dann rechnerisch 19,69 EUR angestellt, oder 37,51 EUR als freier Mitarbeiter. Marktüblich sind etwa 20,– (38,08) bis 26,– (49,51) EUR für einen erfahrenen Mediengestalter als Angestellter oder freier Mitarbeiter (Beträge in Klammern).

Wir haben also eine Basis von 12,31 EUR bis ca. 26,– EUR, von Anfänger bis zum Erfahrenen. Bei selbständiger Tätigkeit muss ich noch Software-Lizenzen und Equipment, Räume mit Nebenkosten und sonstige Kosten kalkulieren. Hierfür kalkuliere ich überschlägig 15,– EUR pro Stunde. Daraus ergibt sich folgende Kalkulationstabelle:




Angestellter:

Freier Mitarbeiter:

Selbständiger:

  

Anfänger

12,31 EUR brutto

23,44 EUR plus MwST.

38,44 EUR plus MwST.

  

Anfänger + 60 %

19,69 EUR brutto

37,51 EUR plus MwST.

52,51 EUR plus MwST.

  

sehr Erfahren

26,– EUR brutto

49,52 EUR plus MwST.

64,52 EUR plus MwST.




Ich denke, dass ich trotz meiner langen Berufserfahrung und meines umfangreichen Fachwissens, mit einem +60 % Stundensatz sehr moderate Preise habe, oder? Daraus ergeben sich folgende Stundensätze:

  1. Als Selbständiger muss ich etwa 53,– EUR pro Stunde in Rechnung stellen.

  2. Als freier Mitarbeiter muss ich etwa 38,– EUR pro Stunde in Rechnung stellen. Es kommen möglicherweise noch eine kleine Umlage für partielle Arbeitslosigkeit hinzu, die bis zu 4,– EUR betragen kann.

  3. Arbeite ich als Angestellter, müsste ich einen Brutto-Stundensatz von 19,69 EUR haben.



Update: Gemäß der Inflationsraten von 2005 mit 1,9 % und 2006 mit 1,8 % laut Statistischem Bundesamt, Jahrbuch, ergeben sich ab Januar 2008 neue Stundensätze:

Als freier Mitarbeiter: 38,– auf 39,40 EUR
Als Selbständiger: 53,– auf 54,90 EUR
Für 3D-Technik: 76,– auf 78,80 EUR (Aufschlag, weil höherer Aufwand)



Ich hoffe, dass dieser Text verständlich gezeigt hat, wie sich mein Stundensatz kalkulatorisch zusammensetzt. Weiter hoffe ich, dass ich anderen Firmen und Mediengestaltern eine Hilfe geben konnte eine, für beide Seiten faire Gestaltung der Entlohnung vornehmen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Schaffen und allzeit gute und faire Geschäfte.

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© by Gerhard A. E. Uhlhorn, Olenland 96, 22415 Hamburg, Germany (gUc6im5raim7nef7kor1uS3Is6an)

 

Nachdenkend am Strand von Wangerooge (2003): Gerhard (rechts) und seine Gäste